Die aufgrund der Wiederholungswahl 2023 verkürzte Amtszeit der SchwarzRoten Koalition hat ihre Halbzeit kürzlich überschritten und aus diesem Grund habe ich mich gefragt, was denn eigentlich die Bilanz vieler Entscheidungen der Koalition im Bildungs-, Familien- und Jugendressort der letzten bald 2 Jahre ist. Was sind die erkennbaren großen Linien, welche Schwerpunkte setzte die Koalition, für welche Familien und Kinder/Jugendliche lohnt sich diese Koalition und für wen nicht? Hierum soll es in der nun folgenden Blogreihe gehen.

Als ich im zurückliegenden Dezember auf die Idee kam, mal „zurückzublicken“, war der Gedanke „Mach mal 5 Themen, bei denen es jetzt besser läuft und 5, bei denen es die Koalition noch besser machen muss.“ Dass das den Themen nicht ansatzweise gerecht werden kann, merkte ich schon beim ersten Anlauf (hätte ich mir aber auch vorher denken können) und seitdem gab es mehrere Neufassungen und diverse Überarbeitungen.

Was als Idee für eine einzelne Blogpost zum Jahresende begann, entwickelte sich zu einer Blogreihe, während derer Erarbeitung ich auch mir selbst ein paar Eingeständnisse machen musste:

1. Egal, wie sehr man es versucht: man kann nicht über Bildung schreiben, ohne gleichzeitig über den eigenen subjektiven Blick auf Bildung und Gesellschaft zu schreiben. Rein Deskriptiv funktioniert das nicht und insofern sind die folgenden Beiträge auch eine Einladung zur Debatte.

2. Es gibt keinen objektiven und umfassenden Blick auf Themen rund um „Bildung, Jugend und Familie“. Ich bemühe mich um eine möglichst umfassende Beschreibung und beziehe zahlreiche Perspektiven Dritter ein (und verweise in den Texten auf eine Vielzahl von Quellen), aber es bleiben sicherlich „blinde Flecken“, auf die ich mich gern aufmerksam mache lasse. Schreiben Sie mir!

3. Im Jahr 2025 über ein Thema zu denken und zu schreiben (Bildungspolitik), welches mittel- und langfristig angelegt sein muss, ist eine gedankliche und bisweilen auch emotionale Zumutung, wenn sich im Wochentakt „auf ganz großer Bühne“ Gewissheiten verschieben. Wenn die Frage, in welcher Zukunft die heutigen Kinder und Jugendlichen in fünf oder gar zehn Jahren leben werden, noch spekulativer erscheint, als vor beispielsweise zehn Jahren. Wenn auch die Frage, in welchem gesellschaftlichen und demokratischen Setting Bildungspolitik in ein paar Jahren agieren wird, immer spekulativer wird. Ich habe deshalb neben der Frage nach dem mittelfristigen Wirken aktueller Entscheidungen auch die Frage angelegt, was von dem, was die Koalition macht, jetzt bereits sinnvoll ist, oder eben auch nicht, welche Grundhaltungen sich abzeichnen und wie sich die aktuelle Berliner Bildungspolitik zu den gesellschaftlichen und demokratischen Herausforderungen und Debatten dieser Zeit positioniert.

4. Es ist je nach Thema und Setting oft hilfreich und sinnvoll, zwischen den Rollen des Vaters, des Elternvertreters, des interviewenden Podcasters, des Bloggers, oder des „interessierten Bürgers“ wechseln zu können. Das hilft mir hier aber überhaupt nicht. Am Ende lande ich immer wieder bei Punkt 1 dieser Aufzählung. Interessanterweise macht auch die Kombination dieser Rollen das eigene Denken nicht „objektiver“. Ich schreibe über die Senatspolitik und am Ende doch immer wieder aus meiner Perspektive. Es gab etliche Momente, in denen ich auf den „Löschen“-Knopf drücken wollte. Ich hab mich entschieden, es nicht zu tun…

Bestandsaufnahme

Die Koalition aus CDU und SPD und damit auch die jetzige Bildungssenatorin Günther-Wünsch haben 2023 ein Ressort übernommen, welches in einem in weiten (aber nicht allen) Teilen desaströsen Zustand ist. Je nach Teildisziplin und Unterrichtsfach erreichen 40-60% der Schülerinnen und Schüler eines Jahrgangs nicht einmal die Mindeststandards, die sie eigentlich erreichen müssten und jährlich verlassen etwa 8-10% der Jugendlichen die Schule ohne Abschluss.

  • Die Ausbildungsbetriebe stehen vor dem großen Problem, dass im Schnitt etwa 30% der Azubis ihre Ausbildung wieder abbrechen, zumeist aufgrund fehlender Berufsorientierung. Bei den Erststudierenden ist diese Abbruch- und Wechelquote in den ersten Semestern ähnlich hoch. Den Schaden habe…