Wir sind Berliner Eltern und Familien…

…und es gibt nichts, was wir uns sehnlicher wünschen als eine Stadt für alle: ein Berlin, in dem alle Kinder willkommen sind und ernst genommen werden, egal, in welchem Bezirk sie wohnen, wie viel Geld ihre Eltern haben, welche Hautfarbe oder Religion sie haben, ob sie eine Behinderung haben oder wen sie lieben.

Wir haben konkrete Forderungen an die Politik und eine ziemlich klare Vorstellung davon, wie diese Stadt aussehen soll. Wie müsste es aussehen, das Berlin für Kinder, von dem wir träumen?

Zum Beispiel so:

In diesem Berlin können Kinder morgens selbstständig zur Schule gehen oder mit dem Fahrrad fahren, ohne dass wir uns Sorgen machen müssen, ob sie heil ankommen. Die Fußwege sind breit genug für Kinderwagen und Rollstühle, die Fahrradwege sicher genug. Kinder können sich ihre Stadt selbst erschließen. Weil die Sommer immer heißer werden, stehen an den Wegen große Bäume, die Schatten spenden. Auf Schulhöfen und Plätzen gibt es Grün und in der Stadt genügend Trinkbrunnen.

Unsere Kinder verbringen einen großen Teil ihrer Lebenszeit in der Schule. Sie sind dort sicher, fühlen sich wohl, gehören selbstverständlich dazu und werden ernst genommen. Mit all ihren unterschiedlichen Voraussetzungen lernen sie gemeinsam. Dafür gibt es multiprofessionelle Teams aus Lehrkräften, Schulsozialarbeiter:innen, Sonderpädagog:innen, Erzieher:innen und weiteren Fachkräften, die die Kinder begleiten und unterstützen. Kinder und Jugendliche müssen nicht fürchten, wegen ihrer Hautfarbe, ihrer Religion, einer Behinderung oder weil sie queer sind, beschimpft oder ausgegrenzt zu werden. Und wenn es doch passiert, ist jemand da, der zuhört, sofort unterstützt und handelt.

Kinder und Jugendliche reden mit, wenn es um ihre Schule geht. Sie organisieren Projekte, wählen ihre Schüler:innenvertretung und erleben, dass sie gemeinsam etwas verändern können. Sie lernen, Informationen und Quellen zu prüfen, sich eine eigene Meinung zu bilden und diese zu vertreten. Sie diskutieren miteinander, wägen Argumente ab und treffen gemeinsam Entscheidungen. Ihre Lehrkräfte können ihren demokratischen Bildungsauftrag erfüllen, ohne Angst vor Bedrohungen haben zu müssen.

Sie wissen, dass Schulleitung, Schulaufsicht und Senat hinter ihnen stehen. Wenn jemand sie bedroht, weil sie sich für Demokratie und Menschenrechte einsetzen, schützen die zuständigen Stellen sie konsequent. Vor Wahlen diskutieren Schüler:innen auch in der Schule über Politik. Sie stellen Fragen, lernen unterschiedliche Positionen kennen und setzen sich mit ihnen auseinander. Aber Schule ist kein beliebiger Veranstaltungsort. Sie ist ein sicherer Ort für alle Kinder. Rechtsextreme und menschenfeindliche Positionen bekommen deshalb auf schulischen Podien keinen Platz.

„Ein Berlin, in dem alle Kinder willkommen sind und ernst genommen werden, egal, in welchem Bezirk sie wohnen, wie viel Geld ihre Eltern haben, welche Hautfarbe oder Religion sie haben, ob sie eine Behinderung haben oder wen sie lieben.“

Eltern gegen Rechts Berlin

Nach der Schule gibt es überall in der Stadt Orte für Kinder und Jugendliche: Jugendclubs, Bibliotheken, Sport- und Spielplätze und andere Treffpunkte, an denen sie Freund:innen treffen, sich ausprobieren, mitbestimmen, Hilfe bekommen oder einfach abhängen können, ohne dafür etwas kaufen zu müssen. Queere Kinder und Jugendliche finden Schutzräume und Beratungsangebote, wenn sie sie brauchen.

Und Kinder reden nicht nur in ihrer Schule mit: In unserem Berlin gibt es auch auf Landesebene ein Kinder- und Jugendparlament. Dort bringen sie ihre Ideen und Bedürfnisse direkt in die Politik ein. Wenn Berlin Straßen plant, Spielplätze gestaltet oder über Verkehr und Klimaschutz entscheidet, sitzt ihre Perspektive mit am Tisch.

Am Abend kommen die Kinder in ein Zuhause zurück, das sich ihre Familie leisten kann und in dem sie bleiben kann. Denn für Kinder ist eine Wohnung viel mehr als eine Adresse. Daran hängen Freund:innen, Schule, Nachbarschaft, Sportverein und all die vertrauten Wege, aus denen ihr Alltag besteht. Eine Klassenfahrt, neue Schuhe oder der Mitgliedsbeitrag im Verein stellen Familien nicht vor die Frage, worauf sie dafür verzichten müssen.

Eigentlich haben wir damit nichts Utopisches beschrieben. Wir haben beschrieben, was Kinder in einer Stadt wie Berlin erwarten dürfen: sicher aufwachsen, gut lernen, mitbestimmen, geschützt werden, Platz haben und dazugehören.

Allerdings entfernen wir uns davon gerade in beängstigender Geschwindigkeit: Bei Bildung und Jugendarbeit wird gekürzt, für Inklusion fehlen die Mittel, Familien finden keine bezahlbaren Wohnungen und viele Schulen und Kitas zerfallen und sind auf immer heißere Sommer nicht ausreichend vorbereitet. Rechtsextreme bedrohen Lehrkräfte, weil sie sich für Demokratie und Menschenrechte einsetzen. Schüler:innen sehen sich gezwungen zu demonstrieren, weil die AfD an ihre Schulen eingeladen wird.

Ob Berlin der Stadt näherkommt, die wir uns für unsere Kinder wünschen, ist eine politische Entscheidung. Der nächste Senat muss die Kürzungen bei Bildung und Jugendarbeit zurücknehmen, Inklusion verlässlich ermöglichen, Familien vor Armut und Verdrängung schützen und Berlin kindgerecht und klimaresilient umbauen. Mit einem Berliner Kinder- und Jugendparlament auf Landesebene muss er Kindern und Jugendlichen eine feste Mitsprache bei politischen Entscheidungen geben, die sie direkt betreffen. Schulen und Lehrkräfte brauchen Rückendeckung und wirksamen Schutz, wenn sie ihren demokratischen Bildungsauftrag erfüllen.

Zum Schutz unserer Demokratie gehört für uns auch, dass sich der kommende Berliner Senat im Bundesrat für die Prüfung eines AfD-Verbots durch das Bundesverfassungsgericht einsetzt.

Kinder haben etwas zu sagen über die Stadt, in der sie leben. Noch können die meisten von ihnen nicht wählen. Wir schon. Nutzen wir unsere Stimme, damit ihre gehört wird.

 


 
Über Eltern gegen Rechts

 Wir sind Familien*, die sich gemeinsam für Demokratie, Vielfalt und Kinderrechte stark machen. Mit familienfreundlichen Kundgebungen, Festen und kindgerechten Aktionen bringen wir Haltung auf die Straße: bunt, laut und immer solidarisch.

Gegründet am 8. März 2024 von Berliner Familien, sind wir heute mit mehr als 70 Ortsgruppen in Deutschland, Österreich und der Schweiz aktiv. Bereits zum zweiten Mal sind wir die NGO der Spielzeit des GRIPS Theaters. 2025 wurden wir mit dem Progressive Voices Award und 2026 mit der Silbernen Brandmauer ausgezeichnet.

Ihr möchtet mitmachen? Schreibt uns, wir vernetzen euch gerne mit einer Ortsgruppe. Alle zusammen für eine Zukunft, in der alle mitspielen dürfen!


 

Foto: Marco Fechner

Anmerkung: Für den Inhalt des Beitrags sind die Autor:innen verantwortlich. Eine redaktionelle Einflussnahme erfolgte nicht.