Die Berliner Schulbauoffensive (BSO) ist eines der zentralen Infrastrukturprojekte des Landes Berlin. Ihr Ziel ist die Bereitstellung guter und ausreichender Schulplätze durch den Neubau von Schulen, die Sanierung und Erweiterung bestehender Gebäude sowie die Schaffung temporärer Schulbauten.
Für die Umsetzung investiert der Berliner Senat mittlerweile rund eine Milliarde Euro jährlich. Damit gilt die Schulbauoffensive als das größte Investitionsvorhaben der vergangenen und laufenden Legislaturperioden Berlins.
Zuständig ist federführend die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie in Abstimmung mit der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen, der Senatskanzlei sowie der Senatsverwaltung für Finanzen. Die eigentliche Umsetzung wird von vier Akteuren getragen: den Berliner Bezirken, der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen, der landeseigenen Wohnungsbaugesellschaft HOWOGE sowie der Berliner Immobilienmanagement GmbH (BIM).
Während sich die Bezirke vor allem um kleinere Sanierungsmaßnahmen kümmern, übernehmen Senatsverwaltung und HOWOGE die größeren Sanierungen; die HOWOGE ist zudem für den Neubau von Schulen zuständig.
Ein wichtiges ist das Konzept der sogenannten Compartmentschule bzw. des „Berliner Lern- und Teamhauses“, ein pädagogisch-räumliches Modell, das die klassische Flurschule ablöst und stattdessen flexible, offene Lern- und Teamstrukturen schafft. Die meisten seit 2016 neu gebauten Schulen folgen diesem Prinzip.
Warum wurde die Schulbauoffensive ins Leben gerufen?
Der Berliner Senat beschloss 2017 die erste Phase der Schulbauoffensive, nachdem in den Richtlinien der Regierungspolitik das Ziel formuliert worden war, die Investitionen in Schulbau und Schulsanierung in den folgenden zehn Jahren erheblich zu verstärken und zu beschleunigen. Als eigentlicher Startpunkt des Vorhabens gilt jedoch bereits das Jahr 2016.
Die Gründe für die Offensive waren im Wesentlichen zwei:
- Ein erheblicher Sanierungsstau an Berliner Schulen, der über Jahre entstanden war und dringend abgebaut werden musste.
- Stark wachsende Schülerzahlen. Berlin wuchs und wächst kontinuierlich, wodurch auch die Zahl der Schülerinnen und Schüler deutlich zunahm. Für den Zeitraum 2016 bis 2030 wurde ein Zuwachs von rund 70.000 Schülerinnen und Schülern erwartet, für die entsprechend neue Kapazitäten geschaffen werden müssen und mussten.
Hierfür wurden 206 konkrete Aufgaben festgelegt: der Bau von mindestens 60 neuen Schulen, Sanierungsmaßnahmen an nahezu allen Berliner Schulen, die Schaffung von Schulplatzkapazitäten für den erwarteten Schülerzuwachs sowie temporäre Schulplatzangebote für Bedarfsspitzen und sanierungsbedingte Auslagerungen. Als langfristiges Ziel wurden 70.000 neue Schulplätze bis 2030 formuliert. Gleichzeitig sollte verhindert werden, dass durch unzureichende laufende Instandhaltung erneut ein Sanierungsstau entsteht, weshalb dauerhaft Mittel für die bauliche Unterhaltung der Schulen bereitgestellt werden.
Wie ist der aktuelle Stand?
Im Juni 2026, knapp zehn Jahre nach dem Start der Offensive, legte der Senat auf Vorlage von Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch (CDU) einen aktuellen Sachstandsbericht vor, der den Stand zum 31. März 2026 dokumentiert. Die zentralen Ergebnisse:
- Fertiggestellte Bauprojekte: Seit Beginn der BSO im Schuljahr 2016/2017 bis zum Schuljahr 2025/2026 wurden 41 Neu- und Ersatzneubauten, 119 Modulare Ergänzungsbauten (MEB) sowie 76 Sporthallen fertiggestellt (Quelle).
- Neue Schulplätze: Bis zum Beginn des Schuljahres 2025/2026 konnten dadurch rund 62.000 zusätzliche Schulplätze geschaffen werden. Für den Beginn des Schuljahres 2026/2027 werden rund 62.000 baulich errichtete Schulplätze prognostiziert.
Der Sachstandsbericht wurde dem Abgeordnetenhaus zur weiteren Beratung zugeleitet. Insgesamt zieht der Senat nach zehn Jahren eine positive Zwischenbilanz: Planung und Bau hätten sich in den vergangenen Jahren deutlich beschleunigt, gleichzeitig bleibe vor allem bei den Sanierungen noch viel zu tun.
Hörempfehlung
2022 führte ich ein Podcastgespräch mit dem damaligen Bezirksstadtrat für Schule, Sport und Facility-Management des Bezirks Marzahn-Hellersdorf, Dr. Torsten Kühne (CDU) über die Hürden bei der Umsetzung der Schulbauoffensive. Heute ist er als Staatssekretär in der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie tätig und ist dort für die Bereiche Schulbau, Schuldigitalisierung und Lebenslanges Lernen zuständig.
Beitragsbild: Marco Fechner / OpenAI

