Die Idee des schulischen Ganztags ist aus verschiedenen Motiven entstanden:
- Der Staat möchte Kinder umfassender und damit auch besser schulisch fördern,
- die Chancengleichheit soll erhöht werden, indem die Möglichkeit der Kinder, Bildungsangebote in Anspruch zu nehmen, von den Möglichkeiten einzelner Familien entkoppelt werden,
- die elterliche Vereinbarkeit von Familie und Berufsleben soll verbessert werden, indem längere Betreuungszeiten ermöglicht werden und
- der schulische Ganztag bietet Raum für Bewegung, Kreativität und soziales Lernen jenseits des klassischen Unterrichts. In AGs können Kinder eigene Interessen entdecken, für die im Stundenplan oft keine Zeit bleibt.
In Berlin wird zwischen zwei Ganztagsformen unterschieden…
…nämlich dem offenen und dem gebundenen Ganztag.
- Der offene Ganztag kennzeichnet sich üblicherweise dadurch, dass vormittags Unterricht stattfindet und am Nachmittag freiwillig zusätzliche Angebote in Anspruch genommen werden können, beispielsweise eine Hausaufgabenbetreuung, Arbeitsgemeinschaften (bspw. Sport, Musik, und Kunstangebote) und Förderunterricht. Häufig kooperieren Schulen dabei auch mit Vereinen, Musikschulen oder anderen Anbietern von Kinder- und Jugendangeboten.
- Der gebundene Ganztag besteht aus einer verpflichtenden Anwesenheit vom Unterrichtsbeginn bis in der Regel 16 Uhr, wobei Freitags in der Regel früher „Schluss ist“. In diesem Zeitraum finden der Unterricht und weitere fördernde Angebote statt, wobei diese häufig nicht klar in „Unterricht am Vormittag“ und „AGs am Nachmittag“ abgetrennt sind, sondern sich flexibler abwechseln und anders ineinandergreifen, als es im offenen Ganztag möglich wäre. Hausaufgaben gibt es in diesem Format üblicherweise nicht, da sämtliche schulischen Aufgaben bereits im Rahmen des Ganztagsprogramms abgedeckt sind. Gut konzipierte Ganztagsschulen wechseln bewusst zwischen Lern- und Entspannungsphasen.
Herausforderungen
Der Ausbau ist anspruchsvoll: Es fehlt vielerorts an Personal, Räumen und Finanzierung. Zudem wird immer wieder diskutiert, ob Pflichtmodelle genug Freiraum für Familienzeit, oder auch eine außerschulische Freizeitgestaltung lassen.
Fazit
Der schulische Ganztag ist mehr als reine Betreuung. Richtig umgesetzt, kann er Bildungsgerechtigkeit fördern, Familien entlasten und Kindern zusätzliche Entfaltungsmöglichkeiten bieten. Der Erfolg hängt entscheidend von der Qualität der Umsetzung ab, also insbesondere von Personal, Räumen und dem pädagogischem Konzept.
Hörempfehlung:
Mit Dr. Anna Schütz und Sabine Hüsemann von der „Serviceagentur Ganztag“ sprach ich in Episode 31 von „Herr Fechner lädt zum Gespräch“ darüber, was ein guter Ganztag kann und können muss, was ihn auszeichnet und welche Möglichkeiten Schulen haben, sich bei der Entwicklung unterstützen zu lassen.
Weiterführende Informationen finden sich auch auf der Webseite der Bildungsverwaltung.
Beitragsfoto: Marco Fechner / OpenAI

