Jede aktuelle und relevante Bildungsstudie sagt uns:
die Deutschen Kinder und Jugendlichen lesen sowohl zu wenig, als auch zu schlecht. Berlin ist im Vergleich der Bundesländer sogar nochmal unterdurchschnittlich.
Der IQB-Trend stellt einen Zusammenhang zwischen der Zahl der Bücher im heimischen Elternhaus und der Lesekompetenz von Kindern her, also wollte ich gern mal meine 5 Cent aus Eltern- und Elternvertretersicht dazugeben, wie man die Lust aufs lesen steigern könnte, aber auch die Zahl der für Kinder verfügbaren Bücher erhöhen könnte.
Mehrwertsteuersatz für Bücher auf 0%
Wir sind ein Land, das Milliardenvermögen mit 0% besteuert, aber Bücher mit 7% und das sich dann wundert, warum Bücher für viele zu teuer sind, während die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinandergeht.
Schulbibliotheken in allen Schulen
Wenn wir wollen, dass alle Schülerinnen und Schüler auch unabhängig von heimischen Voraussetzungen regelmäßig Bücher lesen können, dann müssen diese möglichst barrierefrei verfügbar sein. Kinder, die an den Konsum von Büchern erst herangeführt werden müssen, wird man kaum dafür erreichen, selbstständig den Weg in die nächste Stadtbibliothek anzutreten.
Regelmäßiges verpflichtendes Lesen von Büchern
Wie ich neulich gelernt habe, ist Estland im PISA-Ranking regelmäßig auch deshalb in der Spitzengruppe, weil die Kinder verpflichtet sind, jeden Monat ein Buch zu lesen. Über Schulbibliotheken könnte man die Verfügbarkeit von Büchern jederzeit sicherstellen.
Kinderbücher in Fremdsprachen
Wenn Kinder nichtdeutscher Herkunftssprache an das Lesen herangeführt werden müssen, könnten Bücher in fremdsprachlicher Übersetzung für den Einstieg hilfreich sein. Lehrkräfte werden das kompetenter umsetzen können, als ich es mir anmaßen möchte darzulegen, aber ich stelle immer wieder fest, dass die Verfügbarkeit von fremdsprachlicher Kinder- und Jugendliteratur (mit Ausnahme von Englisch) reichlich eingeschränkt ist. Vielleicht kann ich hier auch einen Impuls für Buchverlage setzen. Die „Stiftung lesen“ hat hierzu auch verschiedene Darlegungen veröffentlicht.
Den Begriff „Bildungsbürgertum“ entstigmatisieren
Ich nehme in der Bildungspolitik mittlerweile eine gewisse Stigmatisierung des Begrifft „Bildungsbürgertum“ wahr und das oft im Zusammenhang mit der impliziten Unterstellung, dieses hätte von der Realität der Durchschnittsschulen wenig Ahnung. Erstaunlicherweise häufig sogar von konservativer Seite. Selbst, wenn das zuträfe, wäre es ein Armutszeugnis, wenn die Bildungspolitik überdurchschnittliche Bildung als etwas Problematisches hinstellt und sich damit möglicher Vorbilder beraubt.
Wertschätzung für Kinderbuchautoren
Wir sind ein Land, in dem der Begriff des „Kinderbuchautors“ in den letzten Jahren von politischer Seite ausgehend als Makel stilisiert wurde. Mal abgesehen davon, dass das Schaffen von Welten und Schreiben von inspirierenden Geschichten etwas ist, was wir in Zeiten der zunehmenden Einfalt und Verrohung dringend brauchen:
wen soll dieser Umgang mit Autoren zum Lesen, oder gar schreiben von Büchern animieren?
Hörempfehlung:
Im Januar 2023 sprach ich mit Schulbibliothekarin Kathrin Schoellhammer über ihre Arbeit.
Beitragsbild: Marco Fechner / OpenAi

