Herzlich willkommen!
Die Schulkonferenz ist DAS Beratungsgremium einer jeden Schule. Unter nichts weniger, als diesen Anspruch stelle ich dieses neue, künftig wöchentlich erscheinende Mittwochsbriefing zur Bildung in Berlin:
Was treibt Eltern von Schulkindern derzeit um, was wird bildungspolitisch in dieser Woche diskutiert und wo findet man als Elternteil Rat und Unterstützung, wenn man selbst nicht weiterkommt?
Da dieser Newsletter nicht als Einbahnstraße gedacht ist, können Sie mir Ihre Frage(n) gern an Schulkonferenz@MarcoFechner.de schicken.
Jede Woche beantworte ich künftig anonymisiert Fragen aus meiner Community in diesem Newsletter. Sie können ihn hier abonnieren und bekommen ihn dann direkt ins Mailpostfach.
Ich weiß zwar auch nicht alles, aber mir fällt im Zweifel immer jemand ein, den ich fragen könnte. Also schreiben Sie mir.
Los geht’s.
Diesmal
- Die Elternfrage. „Wie motiviere ich mein Kind für die Zeit zwischen dem Notenschluss und dem Schuljahresende?“
- Was jetzt ansteht: die Berufs- und Studienwahl und ein Gespräch mit der Industrie- und Handelskammer.
- Veranstaltungshinweis. Elternabende zur Medienerziehung.
- Aktuelles: Berliner Bildungsbündnis fordert mehr schulische Mitbestimmung und Demokratiebildung. Und: ein Interview mit dem Spitzenkandidaten von Bündnis `90/Die Grünen, Werner Graf.
- Schule erklärt: Was ist der Unterschied zwischen einer Integrierten Sekundarschule (ISS) und einem Gymnasium?
- Aus dem Abgeordnetenhaus:
- Wie die AfD die schulische Inklusion faktisch beenden will.
- Welche gesetzlichen Änderungen die Senatskoalition im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe plant.
- Anträge der Grünen und der Linken zur schulischen Inklusion
- Wo wir schon dabei sind: Kontaktdaten der 12 “SIBUZE”
1. Die Elternfrage
„Wie motiviere ich mein Kind für die Zeit zwischen dem Notenschluss und dem Schuljahresende?“
Die Noten stehen fest, der Druck fällt ab und mit ihm oft auch die Motivation. Häufig gehörter Satz: „Jetzt passiert eh nicht mehr viel.“
Was Sie tun können:
Den Leistungsdruck rausnehmen und das auch zeigen. Wenn Ihr Kind merkt, dass Sie selbst entspannter sind, überträgt sich das.
Diese letzten Wochen sind kein Sprint mehr, aber häufig die Letzten mit dieser Klassengemeinschaft in dieser Zusammensetzung. Gemeinsame Aktionen, Abschlussprojekte und Klassenfeste können Höhepunkte des Schuljahres sein und werden von vielen Schulen „ohnehin“ geplant.
Unterstützen Sie das aktiv, wenn möglich. Schulen und auch Fördervereine, die beispielsweise Schulfeste organisieren, sind in der Regel dankbar für jede helfende Hand.
Rekapitulieren Sie mit Ihrem Kind, was es in diesem Jahr geschafft und neu gelernt hat. Ein Bewusstsein für Wachstum ist motivierender, als jede Note.
Was Sie vermeiden sollten:
Den Klassiker: „Nutz’ die Zeit noch, um Lücken aufzuholen.“
Das erzeugt in einer Phase, die eigentlich zum Aufatmen einlädt, neuen Stress. Lücken zu schließen, ist eine Daueraufgabe, keine, die in diese Wochen gepresst werden muss, oder kann.
Wie es mir eine Schulleitung kürzlich sagte: “Wenn das Aufholen von Stoff eine umfangreichere Aufgabe ist, holen Sie sich den Rat der Klassen- oder Fachlehrkraft ein.”
Diese letzten Schulwochen sind keine verlorene Zeit. Sie sind ein Übergang. Diese Wochen laden auch ein, eine Atmosphäre zu schaffen, in denen Motivation für das Kommende entstehen kann.
Schulen nutzen diese letzten Wochen häufig für Angebote, die im Rest des Jahres kaum Platz finden, beispielsweise für Projektwochen oder Workshoptage. An weiterführenden Schulen werden häufig auch nochmal Angebote der Berufs- und Studienorientierung unterbreitet.
Und…
…auch, wenn es aufgrund der Lage im Schuljahr gegenteilig wirken kann: diese Veranstaltungen sind keine „Lückenfüller“, sondern wichtiger Teil des schulischen Auftrags, auch wenn diese nicht mehr benotet werden.
2. Was jetzt ansteht:
Für Jugendliche, die am Ende des nächsten Schuljahres in eine duale Ausbildung starten möchten, ist jetzt der richtige Zeitpunkt, sich festzulegen, für welche Ausbildung(en) sie sich bewerben möchten. Die Bewerbungszeiträume bei Ausbildungsbetrieben beginnen jetzt zunehmend und dauern bis in den Herbst hinein.
Hörtipp: Mit Jan Pörksen von der Industrie- und Handelskammer Berlin sprach ich im Podcast darüber, wie man den richtigen Ausbildungsplatz findet. LINK
Gleiches gilt für Jugendliche, die ein duales Studium aufnehmen möchten: die Bewerbungsfristen beginnen bei diesen Studiengängen ebenfalls im Vorjahr des Einstiegs.
Wichtig: die Bewerbung erfolgt beim Arbeitgeber und nicht als einfache Einschreibung an einer Hochschule. Duale Studienangebote und Arbeitgeber finden Sie beispielsweise unter DualesStudium.Berlin.
An den Hochschulen beginnen demnächst die Einschreibefristen für das kommende Wintersemester. Nähere Infos finden Sie unter Hochschulkompass.de.
3. Veranstaltungshinweis
Thematische Elternabende zu Fragen der Medienerziehung
Die Mediennutzung von Kindern und Jugendlichen hat sich in den letzten Jahren rasant gewandelt, sodass Eltern und Erziehungsberechtigte heute vor neuen Herausforderungen stehen, um ihre Kinder im Umgang mit Medien kompetent unterstützen zu können.
Die Medienanstalt Berlin-Brandenburg finanziert Elternabende in Berlin und Brandenburg, die über die Mediennutzung von Kindern und Jugendlichen informieren und Handlungsmöglichkeiten für Eltern aufzeigen.
Ziel der Elternabende ist es, den Eltern Sicherheit im Umgang mit digitalen Medien in der Familie zu vermitteln.
Informationen und Anmeldung: LINK
4. Aktuelles:
Berliner Bündnis fordert mehr schulische Mitbestimmung und Demokratiebildung
Ein Bündnis aus GEW (Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft), “Schule muss anders”, Landeselternausschuss, Landesschülerausschuss, dem Landesausschuss des pädagogischen Personals (an Schulen) und vielen Weiteren fordert vom Berliner Senat mehr demokratische Mitwirkungsmöglichkeiten an den Berliner Schulen sowie mehr Demokratiebildung und ruft zu verschiedenen Aktionstagen, beispielsweise am 06. Juni auf.
Für den 21.05, also morgen, ist eine Pressekonferenz geplant. Ich werde im Nachgang berichten.
Interview mit Werner Graf (Bündnis ‘90/Die Grünen)

Der Grünen-Kandidat für das Amt des Regierenden Bürgermeisters, Werner Graf, besuchte mich im Podcast. Wir sprachen unter Anderem darüber, in welchem Stil er das Amt führen und mit wem er gern koalieren würde. Außerdem darüber, wie er explodierenden Mieten begegnen und Armut bekämpfen würde und den Schulen im Umgang mit Extremisten den Rücken stärken möchte.
Er verriet mir, welche Pläne die Grünen im für die Berliner Schulen haben, dass seine Partei sich vorstellen könnte, die nächste Bildungssenatorin oder den nächsten Bildungssenator zu stellen und auch, welche Schlüsse er aus dem Debakel um die Friedrichstraßen-Debatte zieht.
5. Schule erklärt
Was ist der Unterschied zwischen einer ISS und einem Gymnasium?
Die Integrierten Sekundarschulen (ISSen) sind das Ergebnis der Zusammenlegung von Haupt- und Realschulen in den 2010er-Jahren. Viele von Ihnen führen auch zum Abitur. Was sind die Unterschiede?
Es gibt eine ganze Reihe an Unterschieden zwischen den Schulformen. Für Eltern und Schüler sind die Folgenden besonders relevant:
- Die Gymnasien führen mit dem Ende von Klasse 12 zum Abitur, die Integrierten Sekundarschulen (ISSen) nach Klasse 13.
- Beide Schulformen beginnen regelhaft mit Klasse 7, an vielen Gymnasien ist aber auch ein Zugang schon ab Klasse 5 möglich, wenn diese besondere Profile anbieten, beispielsweise im sprachlichen oder naturwisenschaftlichen Bereich, oder besondere Angebote der Begabungsförderung vorhalten.
- Den mittleren Schulabschluss (MSA) erreicht man in beiden Schulformen nach Klasse 10, am Gymnasium ist aber keine gesonderte Prüfung zum MSA mehr nötig.
- Aufnahmetests an den ISSen existieren nicht, jedoch an vielen Gymnasien.
- Die Schulklassen sind an Gymnasien größer (i.d.R. 32 Jugendliche), als an den ISSen (Zielgröße 26 Jugendliche).
- An den ISSen gibt es das Fach “Wirtschaft, Arbeit Technik” (WAT), welches auf den Einstieg insbesondere in eine duale Ausbildung nach Klasse 10 vorbereitet. An den Gymnasien existiert dieses Fach nicht.
- Die Oberstufe zum Abitur ist an den Gymnasien in den “hauseigenen Regelbetrieb” integriert. Die ISSen bieten selten eine eigene Oberstufe an, sondern bieten jeweils eins der folgenden Modelle:
- Verbundoberstufen mit einer anderen ISS
- Kooperationen mit Oberstufenzentren
- Es gibt auch eine Reihe von ISSen ohne eigene oder Kooperationsoberstufe. Schüler:innen, die eine solche Schule besuchen, können ihr Abitur dennoch machen, müssen sich eine Schule mit Oberstufe im Anschluss aber selbst suchen, oder können an ein Oberstufenzentrum (OSZ) wechseln.
- ISSen haben verbindliche Ganztagsangebote, die die Schülerinnen und Schüler zusätzlich zum Unterricht fördern.
- Die Möglichkeit des “Sitzenbleibens” existiert an ISSen nicht. Die Schulen sind verpflichtet, die Schülerinnen und Schüler individuell zu fördern, um sie zum bestmöglichen Schulabschluss zu führen.
Weitere Infos zu den Integrierten Sekundarschulen auf der Webseite der Bildungsverwaltung finden sich hier.
6. Aus dem Abgeordnetenhaus
Am 21.05.2026 wird das Plenum des Abgeordnetenhauses zusammenkommen und auch verschiedene Anträge zur Bildungs- Jugend- und Familienpolitik beraten.
Die AfD möchte im Schulgesetz festschreiben, dass Förderzentren allgemeinbildende Schulen sind. Zudem soll es kein Recht der Eltern mehr geben, ihr Kind in einer bestimmten Schule unterzubringen. Dies muss verstanden werden als Absicht, Kinder mit Beeinträchtigung konsequent in Förderzentren unterzubringen und von gesellschaftlicher Teilhabe auszuschließen.
Kinder sollen zudem aus der Schulpflicht entlassen werden können und Schulen sollen es begründen müssen, wenn sie Kinder mit Beeinträchtigungen beschulen möchten.
Für das Deutsche Institut für Menschenrechte (DIM) kommt der Jurist Hendrik Cremer in einer aktuellen Einschätzung zu dem Schluss, die Partei verfolge das Ziel, Menschen, die nicht gesund oder leistungsfähig seien, aus der Gesellschaft auszuschließen.
Die Ausgrenzung von Menschen mit Behinderungen aus dem Bildungssystem hat in Deutschland eine Geschichte. Das Deutsche Institut für Menschenrechte ordnet die Haltung der AfD ausdrücklich in diese Geschichte ein.
Was dieser Antrag für Kinder, Jugendliche und ihre Familien bedeuten würde, weshalb er gegen den Auftrag des Schulgesetzes sowie gegen Grundrechte verstößt und weshalb die Berliner Senatskoalition in der Debatte rund um die Inklusion auf sehr dünnem Eis steht, haben das Berliner Bündnis für schulische Inklusion und ich in einem gemeinsamen Artikel erörtert.
Die Koalition möchte das “Gesetz zur Ausführung des Kinder- und Jugendhilfegesetzes” ändern.
- Insbesondere soll es die Träger der Kinder- und Jugendhilfe stärker dazu zu verpflichten, Kinder und Jugendliche zu demokratischen und mündigen Bürger:innen zu erziehen und die Jugendhilfeangebote niedrigschwelliger erreichbar machen. Zudem wird ein stärkerer Kinder- und Jugendmedienschutz ins Gesetz geschrieben.
- Ärztinnen und Ärzten soll es beim Verdacht von Kindeswohlgefährdung erlaubt werden, Daten zur Gedährdungseinschätzung auch ohne Einverständnis der Erziehungsberechtigten auszutauschen.
- Bei jungen Erwachsenen, die stationär untergebracht werden müssen, soll künftig verpflichtend geprüft werden, ob stattdessen eine Unterbringung in einer Pflegefamilie möglich ist.
- Zu Debatten könnte insbesondere der Passus führen, dass Träger der Jugendhilfe verpflichtet werden, sich für die Wahrung der freiheitlichen demokratischen Grundordnung einzusetzen. Diese Formulierung erinnert an die “Extremismusklausel” in der politschen Bildung, die eigentlich mal abgeschafft wurde, deren Geist aber in aktuellen politischen Debatten fröhliche Urstände feiert.
Die Fraktion von Bündnis ‘90/Die Grünen fordert gleich in fünf Anträgen eine Stärkung der schulischen Inklusion:
- Die Forderung nach besserer Hilfeplanung und Abstimmung zwischen Schule und Eingliederungshilfen.
- Eine Modernisierung des Hausunterrichts und digitale Lösungen für chronisch kranke Schüler*innen.
- Die Forderung nach mehr inklusiven Gemeinschaftsschwerpunktschulen anstatt mehrFörderzentren.
- Die Forderung nach einer Inklusiven Fortbildungsoffensive für Fachkräfte.
- Die Forderung nach mehr Inklusion an Gymnasien.
Die Fraktion DIE LINKE sieht durch die neuen Zumesszungsrichtlinien einen “Rückschlag für die schulische Inklusion” und fordert eine Anpassung.
Die Plenarsitzung beginnt am 21.05.2026 um 10 Uhr und kann im Livestream des Abgeordnetenhauses verfolgt werden (Link).
Die vollständige beantragte Tagesordnung findet sich hier.
Und wo wir gerade bei der Inklusion sind, hier noch ein kleiner Extraservice:
Die Schulpsychologischen und inklusionspädagogischen Beratungs- und Unterstützungszentren (SIBUZ) der zwölf Berliner Bezirke bieten Beratung und Unterstützung und zum Teil auch offene Sprechstunden bei vielfältigen Problemlagen an:
Sprachförderung, LRS, Begabungsförderung, Sonderpädagogische Förderung, Bildungswege, Schuldistanz, Gewalt und Notfälle, Gewaltprävention, Suchtprävention, sexuelle Übergfiffe, Übergriffe auf schulisches Personal, Nachteilsausgleiche, Gesundheitsförderung, geschlechtliche Vielfalt, Tod und Trauer.
Für konkrete Termine und Angebote empfehle ich den direkten Kontakt zum jeweiligen SIBUZ:
Pankow: SIBUZ Pankow | Reinickendorf: SIBUZ Reinickendorf | Charlottenburg-Wilmersdorf: SIBUZ Charlottenburg-Wilmersdorf | Spandau: SIBUZ Spandau | Steglitz-Zehlendorf: SIBUZ Steglitz-Zehlendorf | Mitte: SIBUZ Mitte | Tempelhof-Schöneberg: SIBUZ Tempelhof-Schöneberg | Friedrichshain-Kreuzberg: SIBUZ Friedrichshain-Kreuzberg | Neukölln: SIBUZ Neukölln | Treptow-Köpenick: SIBUZ Treptow-Köpenick | Marzahn-Hellersdorf: SIBUZ Marzahn-Hellersdorf | Lichtenberg: SIBUZ Lichtenberg
Bis nächste Woche. Wenn Ihnen der Newsletter gefällt, empfehlen Sie ihn gern weiter. Kostenfrei abonnieren.
Marco Fechner
Beitragsbild: Marco Fechner/Open.Ai

