Nur 15 von rund 1.200 Kindern bestehen Aufnahmetests für das Berliner Gymnasium. Landeselternausschuss, SPD und Opposition äußern Kritik.

Update: 05.03.2026, 22:00 Uhr

 

Wie die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie heute per Pressemeldung mitteilte, haben lediglich 15 von rund 1.200 Kindern, die an den Aufnahmetests zum Gymnasium teilgenommen haben, diesen Test bestanden. Dies entspricht einer Quote von rund 1,2%. Im vergangenen Jahr lag diese Quote bei rund 2,6%.

 

Der von der Senatskoalition als „Probeunterricht“ gelabelte Aufnahmetest wurde eingeführt, damit Kinder mit einem NC in den Fächern Deutsch, Mathematik und erste Fremdsprache in der Förderprognose von über 2,2 dennoch ihre Eignung für das Gymnasium unter Beweis stellen können (nähere Informationen). Die Konzeption des Tests ist seit dessen Einführung Gegenstand intensiver Debatten.

 

Die Ergebnisse des Tests sind heute Besprechungsgegenstand im Bildungsausschuss des Abgeordnetenhauses.

 

Der Landeselternausschuss zieht die Konzeption des Tests in Zweifel und fordert eine Evaluation und Anpassung. Konkret heißt es in einer kurzfristig verbreiteten Erklärung des Vorstands des Landeselternausschusses:

 

„Die abermals schlechte Bestehensquote kann nicht nur Ausdruck einer zutreffenden Prognose der Grundschule sein, wie die Senatorin das immer wieder betont. Der Landeselternausschuss Schule sieht sich bei dem Ergebnis in seiner Forderung bestätigt, dass die Tests im Rahmen des sogenannten Probeunterrichts mit einer Vortestung durch Schüler*innen evaluiert werden müssen, die eine Gymnasialempfehlung haben.

 

Dem Landeselternausschuss Schule und wohl auch der Politik liegt die für Ende der Sommerferien 2025 angekündigte Auswertung der Aufnahmetests nicht vor. Wir fragen uns, warum es fast ein halbes Jahr braucht diese Ergebnisse vorzulegen und fordern die Senatsbildungsverwaltung erneut auf, diese Ergebnisse transparent vorzulegen.“

 

Bildungssenatorin Günther-Wünsch (CDU) legte in einer Stellungnahme im Bildungsausschusses des Abgeordnetenhauses dar, dass sich die Struktur der der zu testenden Schüler:innengruppe im Vergleich zum letzten Jahr verändert habe:

 

2025 haben 1.937 Kinder an dem Test teilgenommen, 2026 waren es nur noch 1.223 Schülerinnen und Schüler.

 

2025 hatten 70% der zu testenden Schülerinnen und Schüler in ihrer Förderprognose einen Schnitt zwischen 2,3 und 2,7. Diese Gruppe umfasste in diesem Jahr nur noch 44% der Gesamtgruppe, während 50% der zum Test erschienenen Schülerinnen und Schüler einen Notenschnitt in der Förderprognose zwischen 2,7 und mehr, als 3,0 hatten. Sie verwies darauf, dass Werte über 2,7 „deutlich von dem entfernt (sind, Anm.), wo wir jetzt auch die Förderprognose eingezogen haben.

 

Weiterhin führte sie aus, dass man sich bei der Erstellung der Aufgaben an den Kompetenzstufen der Rahmenlehrpläne orientiere. Im vergangenen Jahr hätte man eine Kompetenzstufe unter der eigentlich Vorgesehenen angesetzt.

 

Marcel Hopp vom Koalitionspartner SPD kritisiert, dass die nicht vorher mit einer Vergleichsgruppe getestet wurden, um herauszufinden, ob dieser geeignet ist. Er mutmaßte, dass die Bildungssenatorin kein Interesse habe, „nachvollziehbar und transparent“ darzulegen, dass der Test ein „fairer Test ist, der wissenschaftlichen Gütekriterien entspricht.“ Er fordert eine Offenlegung, wie die Tests entwickelt wurden.

 

Die Bildungspolitische Sprecherin der CDU, Sandra Khalatbari unterstrich, dass man sich die Ergebnisse genauer anschauen wolle, baute aber im Anschluss argumentativ auf der bisherigen Linie ihrer Fraktion auf, dass die Förderprognosen und Zensuren der Grundschulen hinreichend valide und vergleichbar seien und dass die Ergebnisse der Tests zeigen, dass die Grundschulen ihre Schülerinnen und Schüler gut einschätzen.

 

Franziska Brychcy (DIE LINKE) stellte das Testverfahren in Ihrer Erwiderung in der Ausschusssitzung grundsätzlich infrage. Die geringe Bestehensquote würde weder den organisatorischen Aufwand, noch den Stress bei den Beteiligten rechtfertigen. Sie stellte deshalb in den Raum, die Klassenkonferenzen in den Grundschulen entscheiden zu lassen.

 

Marianne Burkert-Eulitz (Bündnis ´90/Die Grünen) schloss sich ihrer Vorrednerin im Grundsatz an und warf der Senatorin vor, sich zu seit zwei Jahren zu „verweigern“, den Test wissenschaftlich evaluieren lassen. Sie stellte die These in den Raum, dass „90%“ derjenigen Kinder, die ohne den Test den Weg ans Gymnasium geschafft haben, diesen ebenfalls nicht bestehen würden.

 

Die AfD-Fraktion hat im Ausschuss kein Statement abgegeben und hatte dort auch keine Fragen.

 

Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch (CDU) stellte in ihrem Schlussstatement dar, dass sie nicht darüber nachdenke, das Testverfahren abzuschaffen, da dieses gerade erst eingeführt worden sei. Sie verwies darauf, dass 53% der Berliner Kinder eine Gymnasialempfehlung erhalten hätten und man Kindern den Weg ans Gymnasium „nicht verwehren“ würde.

 

Anmerkung: dies bedeutet jedoch nicht, dass diese 53% auch eine Zugangsberechtigung an das Gymnasium ohne Test haben. Siehe weiter unten.

 

Sie verwies darauf, dass die Abituraufgaben durch „ähnliche Expertengruppen“ erstellt würden, die ebenfalls nicht pilotiert würden.

 

Ein paar Zahlen zum Schluss:

 

Im Schujahr 2025/2026 besuchen 192.974 Kinder eine Grundschule, 85.081 Schülerinnen und Schüler besuchen, ein Gymnasium, 111.624 Schülerinnen und Schüler in Berlin eine Integrierte Sekundarschule oder Gemeinschaftsschule, 8.981 Kinder und Jugendliche besuchen ein Förderzentrum und 4.981 Kinder und Jugendliche besuchen freie Waldorfschulen. Quelle: „Blickpunkt Schule“ der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie.

 

Der Anteil von Kindern, die eine Integrierte Sekundarschule besuchen im Vergleich zu Kindern, die ein Gymnasium besuchen, liegt somit bei 56% (Integrierte Sekundarschulen) zu 44% (Gymnasien).

 

Beitragsbild: Marco Fechner / OpenAi

 

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