Wird die schriftliche Division abgeschafft? Nein. Was würde noch helfen?

Dieser Tage geistert eine Falschmeldung durch die Gazetten, dass Niedersachsen die schriftliche Division abschaffen würde. Einschlägig bekannte Empörungsexperten wie der CDU-Bundestagsabgeordnete Ploß, die BILD und rechtsextreme Kreise behaupten, der Bildungsstandort werde durch die Entscheidung einer grünen Ministerin gefährdet. Im besten Fall beweisen die genannten Akteure mit ihrer losgetretenen Welle, dass sie selbst Schwierigkeiten mit Sinn entnehmendem Lesen haben.
Der „Volksverpetzer“ hat sich hiermit in einer sehr guten Einordnung befasst, weshalb ich diesen Beitrag hier verlinke und nicht nochmal selbst den großen Bogen schlage.
Kurze Zusammenfassnung: nein, Niedersachsen schafft die schriftliche Division nicht ab. Auf Empfehlung von Expert:innen der Didaktik und im Einklang mit früheren Entscheidungen der Kultusministerkonferenz wird der schriftlichen Division die „halbschriftliche Division“ „vorgeschaltet“. Dies soll das mathematische Grundverständnis stärken, bevor es komplexer wird. Die schriftliche Division wird dadurch von der vierten Klasse in die fünfte Klasse verschoben. Andere Bundesländer sind diesen Schritt bereits gegangen, weitere werden noch folgen. Die ebenfalls in der Debatte auftauchende Meldung, dass die schriftliche Division dadurch erst in der weiterführenden Schule gelehrt würde, ist insofern dem Grunde nach richtig (in den meisten Bundesländern endet die Grundschule nach der vierten Klasse), sie ist aber ohne eine weitere didaktische Einordnung der Entscheidung irreführend.
Viel Alarm um nichts.
Aber: eine erfundene Meldung einer Abschaffung von Bildungsstandards schlägt in eine Kerbe. Die Schülerleistungen fallen seit Jahren, wie auch einschlägige Studien Jahr für Jahr belegen. Insofern gibt es dringenden Handlungsbedarf. Eine Überprüfung der Rahmenlehrpläne ist insofern hilfreich. Nicht hilfreich hingegen sind erfundene Meldungen wie die oben genannte.
Zum Schluss noch ein paar Möglichkeiten (Aufzählung bei Weitem nicht abschließend), um die Schülerleistungen zu verbessern:
- Mehr Lehrkräfte an Schulen.
- Entlastung von Lehrkräften von Verwaltungsaufgaben.
- Mehr Erzieher:innen und Sozialarbeiter:innen an Schulen.
- Kleinere Klassen.
- Individuellere Förderung der Kinder und Jugendlichen.
- Stärkung der mentalen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen.
- Eine Beendigung von Kinderarmut.
- Inklusion endlich umsetzen und Schulen hierfür personell und infrastrukturell ausstatten.
- Eine bessere Finanzierung der Bildungseinrichtung und eine stärkere Berücksichtigung der Sozialindizes der Schulen.
- Eine verbesserte, alltagsintegrierte Sprachförderung bereits in den Kitas.
- Kitaplätze für alle Kinder.
- Eine Verbesserung der Schnittstellen zwischen Kitas und Schulen.
- Eine Stärkung der Einrichtungen der Jugendhilfe.
- Eine Verbesserung der Zusammenarbeit von Schulen und Elternhäusern.
- Die Entlastung von Eltern in sämtlichen Bereichen schulischen Bildungsauftrags. Wer erwartet, dass Eltern mit ihren Kindern die Hausaufgaben erledigen, macht den Bildungserfolg von Kindern von deren Elternhäusern abhängig.
- Abgeordnete, die keine Ahnung von Bildungspolitik haben, unterlassen Falschdarstellungen, die einfach nur Stimmung machen sollen.
Beitragsfoto: Marco Fechner / openAI