Abschied. Und ein Anfang.

Abschied.

Wenn man in Erinnerungen und Archiven schwelgt und sich denkt „besser wird’s nicht mehr“, dann sollte man aufhören. Die Fotografie ist nicht nur aus sich heraus toll, sondern auch eine wunderbare Eintrittskarte in unzählige Lebensentwürfe, für ungewöhnliche Orte und für wunderschöne Momente und sie war insbesondere in den vergangenen sieben Jahren wirklich unfassbar großzügig zu mir.

Ich habe zahllose Portraitshootings hinter mir, fantastische und unvergessliche Hochzeiten, ich habe ein eigenes Buch rausgebracht, eine kleine, aber feine Talkshow produziert und co-moderiert, Workshops gegeben, bewegende, witzige und skurrile Anekdoten gesammelt, SchauspielerInnen und MusikerInnen kennengelernt, war bei Filmdrehs dabei und habe tausende Bahnkilometer zwischen Rügen und Freiburg hinter mich gebracht, um Fotos von wunderbaren Menschen zu machen, oder diese einfach nur zu treffen und manchmal auch zu interviewen. Ich habe Nachts in Heidelberg am Neckar gestanden und später mit Holländern, Argentiniern und Briten im Hostel Livemusik gemacht, in Stuttgart Brautpaare fotografiert, an anderen Tagen nach sehr langen Hochzeiten den Sonnenaufgang über der Müritz bestaunt, mich durch Frankfurt/Main treiben lassen, mit Kollegen Kneipen in Freiburg unsicher gemacht, bei „Schietwetter“ im Hamburger Hafen Paarfotos gemacht und durfte in der Berliner Wuhlheide Konzerte fotografieren. On Stage. Mehrfach. Danke, Kai Lüftner! Und noch vieles mehr.

Und ich habe hundert fantastilliarden Menschen kennengelernt (mindestens!) und sogar ein paar wirklich wunderbare Freunde gewonnen. Kurzum: ich habe das Level „Fotografie“ durchgespielt. Mir drückts Tränen in die Augen, während die Erinnerungen an all diese Momente so gleichzeitig durch meinen Kopf schießen.

Der Kalender für diesen Sommer ist noch voll, aber ich habe mich entschieden, keine weiteren Aufträge mehr anzunehmen und somit in diesem Sommer auf berufsfotografische „Abschiedstour“ zu gehen (bereits ausgestellte Gutscheine behalten selbstverständlich ihre bescheinigte Gültigkeit und können weiterhin eingelöst werden). Ich bin so unfassbar dankbar. Und gespannt, was als Nächstes kommen mag…

Neuanfang.

Mein Leben hat sich in den vergangenen Jahren verändert und es hat mich verändert. (5 Euro fürs Phrasenschwein… Sorry!). Das Kapitel „Berufliche Selbstverwirklichung“ ist und war spannend, aber Prioritäten verschieben sich (und ich schreibe das ohne Wehmut), aber irgendwann kam ich an den Punkt – insbesondere durch meine Kinder -, dass sich mein Blick wieder mehr auf das „Leben da draußen“ verschoben hat.

Wer mich kennt, weiß, dass ich ein ziemlich umtriebiger, auch politisch denkender Geist bin und ich habe das Gefühl, dass dort die nächste Aufgabe auf mich wartet: ich will mein gesellschaftliches und politisches Engagement ausweiten bzw. professionalisieren und dafür brauche ich vor Allem eines: freie Kapazitäten, die ich sonst für Akquise und (unter Anderem…) Buchhaltung gebraucht habe.

In den vergangenen Monaten gingen in meine Ehrenämter im Bereich der Elternvertretungen schon viele, viele Stunden Zeit und viele, viele Gedanken und ich will da noch was „dazugeben“. Es gibt auch ein paar andere Bereiche, in denen ich mich nicht mehr nur kommentierend vom Beckenrand aus einbringen will

Ich will rausfinden, was „Otto-Normalbürger“ neben Job und Familie mit einem begrenzten Zeitbudget effektiv tun kann, um was zu bewegen und ich will das konstruktiv tun. Ich will rausfinden, welche Ausbildung meine Kinder brauchen, um für das einundzwanzigste Jahrhundert fit zu werden, welche Berufe in ein paar Jahren überhaupt noch bleiben, bzw. dazukommen und ich will rausfinden, wie Schule heute funktionieren muss, wenn sie Kinder auf eine veränderte Arbeitswelt vorbereiten will, in der es uns heute schon oft schwerfällt, die „neuen“ Jobs von Freunden klar zu definieren. Und natürlich auch mein Abendstudium der Wirtschaftsinformatik weiterführen und beenden, auch, wenn ich mich jetzt erst im zweiten Semester befinde.

Das klingt nach vielen Baustellen, aber letztlich gehören die ohnehin alle irgendwie zusammen und am Ende wird das auch eher ein Langstreckenlauf und kein Sprint. Ich werde, weil ich denke, dass diese Fragen nicht nur mich beschäftigen, dieses Blog als kleines, unregelmäßiges Tagebuch nutzen, wenn Gedanken mehr als 280 Zeichen brauchen und möglicherweise gibt’s auch demnächst wieder neue Podcastfolgen mit neuen Interviewgästen und erweitertem Themenfeld – darauf hab‘ ich nämlich wirklich richtig Lust. Ich bin gespannt, was #Profis zu all dem sagen…

Ich werde also in aller Kürze meine Umsatzsteuer-ID „abgeben“ und meine Kamera gegen einen Schreibtisch und KollegInnen eintauschen. Manche Entscheidungen fallen auch für einen selbst überraschend kurzfristig, aber dennoch bei genauerem Reflektieren auch folgerichtig.

So sehr ich die Hochzeits- und Portraitfotografie nach wie vor liebe und wohl auch vermissen werde, freue ich mich (vor Allem) auch wieder auf mehr gemeinsame freie Wochenenden mit meiner Familie (und wohl auch auf geregeltere Arbeitszeiten 🙂 ). Und vielleicht werde ich mir hin und wieder auch einfach so einen Freund schnappen und mal wieder „einfach so“ mit der Kamera durch Berlin tingeln. Weils Spaß macht.

Die vergangenen sieben Jahre waren der Wahnsinn. Ich bin so vielen Leuten zu Dank verpflichtet, die mich in der Zeit begleitet haben, allen voran meiner Frau, die mich immer unterstützt und mir wenn nötig den Rücken freigehalten hat. Weiterhin allen, die mich inspiriert und empfohlen haben. Ich danke allen, die mit konstruktiver Kritik aufgewartet und/oder die mich anderweitig unterstützt haben und allen, die sich in gemeinsame Projekte mit mir getraut haben, seien es nun Workshops, Talkshows, Buchprojekte, oder oder oder und allen, die mir über die Jahre treu geblieben sind, sei es als Kunden, Partner oder interessierte Mitleser auf meinen Blogs.

Ein ganz besonderer Dank gilt Jolla Di Waldfee, Jerry Kwarteng und Nicolas Dinkel!

Aber: ich bin nicht weg. Ich bleibe sogar hier auf dieser Webseite. Ich mache jetzt nur was Anderes und ich würde mich freuen, wenn Du an und auf meiner Seite bleibst. Langweilig wird es wohl nicht.

Ich werde jetzt mit einem Freund einen gemeinsamen Kaffee trinken, etwas weinen, weil’s fast, aber offiziell vorbei ist und dann geht’s demnächst weiter und ich freue mich, dass ich in vielen Bereichen noch nicht genau weiss, was mich alles erwarten wird 🙂

Seid geherzt,

Marco

Post Author: MarcoFechner