Zeiten im Umbruch, Menschen im Aufbruch.

Ich mag es, Menschen zu fotografieren, die „im Aufbruch“ sind, die also dabei sind, das, was sie tun, weiterzuentwickeln und kurz vor dem nächsten Schritt stehen. Sie haben oft etwas Inspirierendes an sich und es ist auch fantastisch, wenn Menschen nicht nur versuchen, „ins Blaue hinein“ ein erwartetes Rollenbild zu transportieren (die zupackende Geschäftsführerin, der vielseitige Schauspieler“, „die nachdenkliche Autorin“), bei dem man als Fotograf aufpassen muss, dass man nicht ins Klischee abdriftet, sondern wenn Leute von innen heraus etwas ausstrahlen, das in Kombination mit meiner fotografischen Arbeit mehr ergibt, als die Summe der Arbeit zweier Menschen und das sich insofern im Positiven abhebt.

Ich mag es, mir von „Menschen im Aufbruch“ erzählen zu lassen, was sie tun. Das sind Gespräche, aus denen ich selbst viel mitnehme und in denen ich viel lerne. Sie sind ein wunderbarer Kontrast zur heute viel zu präsenten Nabelschau, bei der es mir viel zu sehr um die Fragen „Wer bin ich?“, „Warum eigentlich?“ und „Woher komme ich?“ geht, statt um die Fragen „Wo will ich eigentlich hin?“ und „Was sind meine Möglichkeiten?“.

Zeiten des Umbruchs sind auch Zeiten der Selbstvergewisserung, aber sollte man insbesondere diese nicht auch dazu nutzen, den eigenen Hut nochmal in den Ring zu werfen und sich zuzutrauen, etwas zu werden, das man bisher noch nicht war, oder etwas zu tun, das man bisher noch nicht ausprobiert hat und dies im besten Fall mit anderen Leuten zusammen zu tun?

Als ich die Bilderserie fotografieren durfte, aus der dieses Portrait von Stefan Gelbhaar stammte, war er frisch ernannter Pankower Kandidat von Bündnis90/die Grünen Berlin-Pankow im beginnenden Bundestagswahlkampf 2017. Das Foto wurde später nicht nur sein Wahlplakat, sondern auch Teil seiner Internetkampagne und ich war gern fotografischer Teil dieser am Ende erfolgreichen Kampagne. Stefan sitzt seit Herbst 2017 unter Anderem im „Ausschuss für Verkehr und digitale Infrastruktur“ des Bundestages und ich konnte ihn etwa ein Jahr später im Rahmen eines Podcasts dazu interviewen und möchte dieses Interview hier nochmal verlinken.