Zeit für ’nen Kaffee?

Nachdem ich vor bald 20 Jahren ins Berufsleben gestartet bin und seitdem etliche, teils höchst unterschiedliche Jobs „hinter mich gebracht“ habe, habe ich ebenso zahllose Menschen mit unterschiedlichsten Biografien kennengelernt.

Vom mittel- wie obdach- wie arbeitslosen Mittfünfziger, mit dem ich direkt nach meiner Ausbildung bei einem Träger der Sozialversicherung beruflich zu tun hatte, um ihm zu helfen, Mittel, Obdach und Arbeit zu finden, über viele UnternehmerInnen, sowie zahllose KünstlerInnen in meiner späteren Zeit als Portraitfotograf und „Moderatorenkameramannproduzentenregisseur“ bei „Fechner&Waldfee“, über Brautpaare, die an einem Hochzeitstag ein ganzes Monatseinkommen allein schon für ihren Hochzeitsfotografen (mich; danke!) hinzublättern bereit waren, war millieu- und berufsgruppenübergreifend alles dabei und es war mir in jedem Falle (und das ist keine Floskel) immer wieder auf höchst unterschiedliche Arten eine Freude. Getoppt wird diese „Mischung“ heute nur noch durch meine schulischen Ehrenämter in Wirkungskreisen zwischen Grundschulklassenraum und Rotem Rathaus mit all ihren Begegnungen und Themen.

Was mir im Zusammenhang mit all diesen Begegnungen jedoch immer wieder auffällt:

wie voneinander abgeschirmt Menschen voneinander leben können, ohne etwas voneinander zu wissen, oder gar voneinander zu lernen und ich denke, das geht auch anders. Wir wissen viel zu wenig voneinander, gemessen am Anspruch, ein friedliches Zusammenleben organisieren zu wollen.

Wenn ich mir die gesellschaftlichen und politischen Diskussionen anschaue, die wir heute führen, dann verlaufen diese bei genauerer Betrachtung seltener an den Grenzen von politischen Themenkomplexen, als vielmehr an den Grenzen von Millieus (deshalb sind auch die ehemaligen millieuübergreifenden „Volksparteien“ heute innerlich so zerstritten) und sie leben immer häufiger vom Stilmittel des Vorwurfs und immer weniger von der ernst und wohlwollend gemeinten Frage an den Anderen.

Ich selbst kann mich davon – leider wider besseren Wissens – nicht vollständig frei machen. Aber ich will es versuchen. Alles andere wäre nicht nur menschlich uncool, sondern auch ziemlich töricht…

Wenn ich mir meine „Freundes/Followerlisten“ in den „sozialen Medien“ anschaue, dann gibt es da eine ziemliche Breite in Meinungsbildern und Herkunftsmillieus und ich will da mehr drüber wissen. Ich will euch näher kennenlernen. Wissen, was euch umtreibt und warum. Ich will wissen, wofür ihr euch engagiert und warum. Ich will von euch wissen, welche Vorstellungen und Wünsche ihr an die Zukunft habt. Ich will nach Gemeinsamkeiten und nach Ideen für die Zukunft suchen und ich will Menschen und Gegenden kennenlernen, die mir bisher unerschlossen geblieben sind. Und ich will davon erzählen, bzw. die Menschen, die ich getroffen habe, selbst zu Wort kommen lassen.

Ich bringe meinen Podcastkoffer und meine Fotokamera mit zu euch, im neuen Jahr gehts los und sofern euer Ort einen Bahnanschluss hat, bin ich so gut wie auf dem Weg. Wo darf ich hinkommen?

Marco

(Foto by Michael Omori Kirchner, Heidelberg 2017)
Über MarcoFechner 42 Artikel
Jahrgang 1984, Vater von zwei Kindern, Ehemann, Berlin-Pankower, gelernter Verwaltungsfachangestellter, Mützenträger und glücklicher Inhaber eines Berliner Dialekts. Verbringt viel Zeit in den Elternvertretungen seiner Schule, der des Bezirks Pankow und der Berliner Landeselternvertretung.