Zaubern

Das Schuljahr ist zu Ende und ich habe die vergangenen Tage genutzt, um dieses nochmal für mich Revue passieren zu lassen. Es war ein Besonderes. Ganz besonders wegen Corona und auch, weil es mein erstes Schuljahr als Vorsitzender unserer schulischen Gesamtelternvertretung war. Es war ein sehr und arbeits- und themenintensives „Premierenjahr“ (weshalb es auch auf diesem Blog sehr ruhig war in den vergangenen Wochen). Und es war mein zweites Jahr im Bezirkselternausschuss und im Landeselternausschuss.

Mein Fazit: gemischt. Die Schulen sind in Teilen flexibler geworden, es gab viele Lehrkräfte, die sich reingehängt haben, um den Fernunterricht so gut sie können, zu ermöglichen und viele sind über sich hinausgewachsen, wir Eltern sind mit dem „Betrieb Schule“ enger zusammengerückt, sowohl durch das heimische Beschulen der Kinder, als auch auf der Ebene der Elternvertretungen und viele Kinder sind in dieser Zeit selbstständiger geworden. Andererseits gab es auch gegenteilige Entwicklungen:

Lehrkräfte und teilweise ganze Schulen, die in der Wahrnehmung von Kindern und Eltern abgetaucht waren, überforderte Eltern und Kinder und Elternvertretungen, die in sich „zusammengefallen“ sind. „Corona“ hat viele Dinge nicht grundsätzlich verändert, sondern Entwicklungen beschleunigt:

Was vorher schon dysfunktional war, ist zusammengefallen und was schon vorher Potential hatte, bekam endlich den nötigen kreativen Entwicklungsschub, den eine Krise mit sich bringen kann. Im nächsten Jahr muss es deshalb aus meiner Sicht darum gehen, sich schulscharf anzuschauen, was funktioniert hat und was nicht und was verändert werden kann und muss und wo man positive Impulse aus dem Umgang mit Corona ausbauen kann. Die Elternvertretungen sind aus meiner Sicht in einer Rolle, in der sie diese Dinge nicht nur mitgestalten können, sondern sogar müssen.

Ich bin stolz darauf, dass wir die Elternarbeit an unserer Schule in diesem Jahr nicht nur aufrechterhalten, sondern sogar deutlich intensivieren konnten und sich sogar ein neues Team an Eltern herausgebildet hat, das schon jetzt in den Vorbereitungen für das kommende Jahr und seine Themen steckt.

„Elternvertretung“ klingt für viele nach Zahnarztbesuch und „Elternvertreterwahl“ nach Wurzelbehandlung, aber tatsächlich kann man, wenn man im Team zusammenarbeitet und sich über Themen, Prioritäten und Herangehensweise einig wird, sogar ein bisschen zaubern und für die Kinder Verbesserungen rausholen, indem man die Prioritätensetzung an der Schule neu „aushandelt“.

„Elternvertretung“ hat für viele den Ruf eines Störenfrieds, der die Schule davon abhält, ihre Arbeit zu machen, ich sehe das aber etwas anders: „Elternvertretung“ ist DIE Möglichkeit, für die Familien im eigenen Kiez Verbesserungen zu erarbeiten und Kindern zielgenaue Angebote zu ermöglichen, die auch zum Umfeld und zur Lebenssituation passen. Lehrkräfte sind Profis in Sachen Pädagogik, Bildung und Wissensvermittlung. Eltern sind die Profis, wenn es darum geht, neue Impulse aufgrund der eigenen beruflichen Perspektiven reinzubringen und auch Angebote zu organisieren, für die die Schule vielleicht nicht die Kapazitäten, oder das Personal hat und sie sind auch diejenigen, die „Bildung zu Hause“ organisieren „müssen“.

Und das funktioniert nur im Zusammenspiel von Schule und Eltern. Beispielsweise sind wir derzeit dabei, mit der Schulleitung und den Schulgremien weitere (und für Eltern) kostenfreie AG’s für die Kinder am Nachmittag zu organisieren, um wirklich allen Kindern ein ergänzendes Bildungsangebot am Nachmittag zu ermöglichen und wir werden uns im Herbst zusammen mit den Lehrkräften an den Entwurf unseres schulischen Sprachbildungskonzepts setzen, um die Kinder gemeinsam weiterzubringen.

Es sind oftmals dicke Bretter, die gebohrt werden müssen, bis man einen Arbeitsprozess zu Ende bringen kann, aber es lohnt sich. Ich freue mich auf das neue Schuljahr. Und ich hoffe, dass dieses „geregelter“ beginnen kann, als das Alte endete.

Über MarcoFechner 44 Artikel
Jahrgang 1984, Vater von zwei Kindern, Ehemann, Berlin-Pankower, gelernter Verwaltungsfachangestellter, Mützenträger und glücklicher Inhaber eines Berliner Dialekts. Verbringt viel Zeit in den Elternvertretungen seiner Schule, der des Bezirks Pankow und der Berliner Landeselternvertretung.