Und wenn es doch noch gut ginge?

Ich gebe zu, dass ich mir in den vergangenen Monaten und Jahren ein ums andere Mal Mühe geben musste, um zwischen Brexit, nationalistischen Egomanen in so mancher Regierungszentrale, Extremismus in vielerlei Formen, Dramen im Mittelmeer, desorientierter parlamentarischer Opposition, einer für meinen Geschmack lange Zeit viel zu ruhigen Bevölkerung und und und, nicht die Hoffnung zu verlieren, dass es aus all dem Schlamassel einen Ausweg gibt. Zugegeben, die Herausforderungen und Umbrüche sind groß, die uns gegenüberstehen, aber eines ist mir zuletzt auch bewusst geworden:

es gibt sehr viele, die dem nicht, oder nicht mehr gleichgültig gegenüberstehen und die sich seit Langem und zunehmend engagieren und vor Allem auch vernetzen. Die Demonstrationen rund um #Unteilbar, #Artikel13, den #FridaysForFuture, den #Remain-Demonstrationen in Großbritannien etc. sind da nur die Oberfläche. Sie sind das Ergebnis von Vernetzung von Menschen in zahllosen Initiativen, Verbänden, Vereinen, Parteien. Vor Ort und überregional. Die einen fester, die anderen informeller. Es gibt eine Mobilisierung und die gute Nachricht ist, dass diese Bewegungen konstruktiv sind und mittlerweile bis in die Parteien hineinwirken. Da tauchen auf einmal beeindruckende Persönlichkeiten und Organisationen auf, die zeigen, dass sie gestalten wollen und können und an die man mit dem eigenen bisherigen Engagement andocken, oder sich erstmalig engagieren kann.

Ich bin beispielsweise sehr glücklich, dass ich als Mitglied der Pankower Bezirkselternvertretung und des Berlines Landeselternausschusses einer der Antragsteller für einen Antrag sein konnte, der am Ende in einen wunderbaren Beschluss des Landeselternausschusses Berlin zur Unterstützung der #FridaysForFuture gemündet ist und der eine relativ breite Resonanz in Presse und Politik gefunden hat. Derartige Beispiele für organisationsübergreifende Unterstützung gibt es aktuell sehr, sehr viele.

Mir persönlich fehlt derzeit noch eine schlagkräftige „Organisation“ oder Bewegung für die soziale Frage (Bekämpfung von Armut jeder Art, Mietexplosionen etc.), aber auch da scheint einiges zusammenzuwachsen.

Ich weiss noch nicht, wohin das alles gerade führt und wie lange Lösungen brauchen werden, aber einer Sache bin ich mir ziemlich sicher: es gibt sehr viele gute Gründe, diesen Menschen und Bewegungen Vertrauen und Mitarbeit zu schenken, statt in Panik auszubrechen. Vertrauen – ein Gefühl, das ich im Zusammenhang mit Politik eine ganze Weile vermisst habe.

Es mag sein, dass „der Neoliberalismus“ zu viel Sinnentleerung und Desorientierung geführt hat, aber dazu entstehen gerade Gegenbewegungen: Menschen finden zusammen, tauschen sich aus, entwickeln neue Ziele und schneiden sich von knapper Freizeit ein paar Stunden ab, um etwas zu tun und ich glaube, das ist die gute Nachricht dieses bisherigen Frühjahrs. Es gibt Grund zum vorsichtigen Optimismus. Und es gibt viele, viele Gründe, mitzumachen und dranzubleiben.

Ich bin dabei.

Marco