Schulschließungen in Berlin – was sich bisher verändert hat.

Ich hätte, nachdem meine Frau mich um kurz nach Eins geweckt hat, um ins Bett zu gehen  (Ich bin mal wieder beim Kindinsbettbringen eingeschlafen – ihr kennt das) genau dieses einfach tun sollen, habe aber den Fehler gemacht, nochmal auf mein Handy zu schauen und dort in einer eMail-Debatte unter meinen MitstreiterInnen aus dem Bezirkselternausschuss ein Interview von Bildungssenatorin Scheeres zu finden, in dem es neben den Schulschließungen und den Prüfungen zu MSA und Abitur u.A. auch um eine Zahl ging: „20 Prozent“.

So hoch ist die Zahl der Berliner Lehrkräfte, die das sechzigste Lebensjahr bereits überschritten haben und zu den so genannten Risikogruppen gehören.
Gleichzeitig sind diese „20 Prozent“ aber auch der Anteil der Lehrkräfte, die in den kommenden 5-6 Jahren in die Rente gehen, während die Nachwuchsgewinnung weiterhin schwierig bleibt.

Diese derzeitige Krise offenbart und verstärkt etliche Schwachstellen im „System Schule“ und damit meine ich bei Weitem nicht nur die mangelhafte Umsetzung der Digitalisierung. Ein ebenso großes Thema ist der Umstand, dass Bildungschancen eines Kindes wie in wenig anderen Ländern der OECD mehrheitlich vom Herkunftselternhaus abhängen und auch der Umstand, dass diese Abhängigkeiten durch das „Homeschooling“ nochmal erheblich verstärkt werden. Hinzu kommen eine auf vielen Ebenen nicht effektiv aufgestellte Verwaltung, die auch nach wie vor Schwierigkeiten hat, vorausschauend zu planen (Schulplatzprognosen sind so ein plakatives Beispiel, aber ebenso auch das Fehlen jeglicher Notfallpläne für den Fall, dass mal aus welchem Grund auch immer
die Schulgebäude für die Beschulung der Kinder flächendeckend nicht zur Verfügung stehen…). Meine Prognosen aus dem März haben sich leider an vielen Stellen bewahrheitet…

Die letzten zwei Stunden habe ich mit dem Abwasch verbracht (der Geschirrspüler hat kürzlich den Geist aufgegeben; Fantastisches Timing in Quarantänezeiten mit 3 heimischen familiären Mahlzeiten täglich) und mir gingen die vergangenen Wochen durch den Kopf und die Frage, was in der kommenden Zeit ansteht und was sich in den vergangenen Wochen möglicherweise verändert hat:

Ich nehme wahr, dass sich die Zusammenarbeit der Gremien und Akteure weiter intensiviert hat. Wir sind derzeit schneller und „näher beieinander“. Einerseits in der Schule (ich telefoniere und maile beinahe täglich mit Mitgliedern „meiner“ Gesamtelternvertretung, hinzu kommt der regelmäßge Austausch mit der Schulleitung und anderen Beteiligten. Im Vorstand des Bezirkselternausschusses Pankow führen wir aktuell wöchentliche virtuelle Sitzungen durch und bewerten die jeweils aktuelle Situation und greifen im Rahmen unserer Aufgaben ein und auch innerhalb des „Kollegiums“ vom Landeselternausschuss gibt es derzeit einen täglichen Austausch auf verschiedenen Kanälen.

Es entwickeln sich neue Kooperationen, die – da bin ich mir sicher – über die Zeit dieser Krise hinausweisen werden. Und wir sind der Verwaltung „näher gerückt“. Ich glaube, dass sich die so genannte „Erziehungspartnerschaft von Schule und Eltern“ in der Folge der Krise nochmal neu definiert und ich finde das gut und richtig und ich bin, obwohl ich nun auch schon eine Weile in diesem Konglomerat unterwegs bin, immer wieder aufs Neue erstaunt und begeistert, wie viel fachliche Kompetenz auch in den ehrenamtlich arbeitenden Gremien vorhanden ist.

In den kommenden Jahren werden noch mehr als bisher Aufgaben auf alle Beteiligten (Eltern, Schulen, Verwaltung) zukommen, die wir auch nur gemeinsam und im gegenseitigen Verständnis bei gleichzeitig klarer gegenseitiger Erwartungsformulierung lösen können.

Die Schulen werden bei den zu erwartenden Verrentungswellen zusehen müssen, dass sie den bereits jetzt schon oft angespannten Schulbetrieb aufrecht erhalten und auch wir Eltern haben Möglichkeiten, einen erheblichen Beitrag zu leisten, dass „Schule“ funktionieren kann, gleich, ob das ein paar Stunden im Monat sind, oder ob man sich nebenbei mehr oder weniger freiwillig einen ehrenamtlichen Halbtagsjob aufbauen möchte…

Wir können das, indem (wir als ElternvertreterInnen) Augen und Ohren offen halten und ansprechbar sind, wenn sich grundsätzliche Probleme in den Klassen auftun (die derzeitigen „Alltagsnöte“ im Zusammenhang mit der Heimbeschulung sind das beste Beispiel dafür), um diese an die Klassen- oder Schulleitung weiterzugeben, so dass nachgesteuert werden kann, wir können einen Unterschied machen durch gegenseitige Unterstützung unter den Eltern, aber auch durch die themenbezogene Mitarbeit in der Gesamtelternvertretung, in den Fachkonferenzen etc.

Auch die Mitarbeit in schulischen Fördervereinen bleibt wichtig und wird vermutlich noch wichtiger, als bisher. Die Existenz von schulischen Fördervereinen ist oft Gold wert.

Elternarbeit wird oft etwas belächelt, sie kann aber, wenn man es richtig anstellt, tatsächlich einen Unterschied für alle Beteiligten und vor Allem die Kinder der „eigenen“ Schule machen.

Wir haben keine Verantwortung für das, was „oben“ verbockt wurde, aber teilweise haben wir „unten“ in der Zusammenarbeit von Schulpersonal und Eltern die Möglichkeit, etwas zu verbessern oder aufzufangen und das passiert ja auch schon oft. Gleichzeitig möchte ich dafür werben, diese Zusammenarbeit zwischen Schulen, Verwaltung und Eltern weiter zu stärken und auszubauen. Alle Beteiligten werden diese Zusammenarbeit auch weiterhin brauchen, um unsere Kinder gut und erfolgreich durch „ihre“ zehn bis zwölf Jahre zu bringen.

Dass Schulpersonal, Eltern und Verwaltung mitunter unterschiedliche Perspektiven
auf gleiche Themen haben, liegt in der Natur der Sache. Umso wichtiger bleibt, sich darüber auszutauschen und Kompromisse und gemeinsame Wege zu suchen.

Sie lasen das Wort zum Sonntag. Ich hole mir jetzt die restlichen 2 Stunden Schlaf…

Über MarcoFechner 43 Artikel
Jahrgang 1984, Vater von zwei Kindern, Ehemann, Berlin-Pankower, gelernter Verwaltungsfachangestellter, Mützenträger und glücklicher Inhaber eines Berliner Dialekts. Verbringt viel Zeit in den Elternvertretungen seiner Schule, der des Bezirks Pankow und der Berliner Landeselternvertretung.

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