Rein ins Gewimmel.

Was hab ich in meinen Zwanzigern an Lebenszeit investiert, um den Sinn des Lebens zu ergründen, Hermann Hesse zu lesen, den Jacobsweg zu laufen und und und… Man sucht nach Vorbildern, denkt, man hat die Richtigen gefunden, stellt schmerzhaft fest, dass man sich „vertan“ hat, oder „wächst“ auch aus Bewunderung wieder raus, manchmal hat man sogar Glück und manchmal verläuft man sich auch und landet bei kitschigen Achtsamkeitsgurus im Fotografenkostüm, die es geschafft haben, mit cleverem Marketing und rhetorischem Talent ihre eigene Überforderung mit sich und der Welt zum Geschäftsmodell zu machen und Sinnsuchenden deshalb teure „Gedankenfokussierungskurse“ mit Titeln in Quatschenglisch auf’m Dorf anbieten, deren wesentlicher Subtext eigentlich nur aus drei Buchstaben besteht: „Ich“.

Auf die Frage „Was mache ich nun in den kommenden 50 Jahren, wo ich jetzt festgestellt habe, dass „ich“ der Grund, das Hindernis und das Ziel gleichzeitig bin?“ konnte mir dann aber doch keiner eine brauchbare Antwort geben und die Kalendersprüche hätte ich auch preiswerter haben können. Aber die Gegend war schön.

 

Aber worum geht es jetzt eigentlich?

Im Grunde um nichts.

 Warum bin ich auf der Welt?

Ich schätze, das hat mit meinen Eltern zu tun, aber das würde jetzt… Nein!

 

Mittlerweile glaube ich, dass der einzige Sinn, den die eigene Existenz auf diesem Planeten hat, der ist, den man ihr selbst gibt. Das klingt jetzt so unfassbar selbstbezogen, übermütig und irgendwie auch nach Seminar, ich weiss, aber ’nen Gott hab ich nicht, dem ich die Sinnfrage andrehen kann. Manchmal hätte ich gern einen, ernsthaft, aber ich glaube, mit mir als Anhänger würden weder „er“, (oder „sie“?), noch ich am Ende glücklich.

Ich habe mich irgendwann entschieden, die ewige Suche aufzugeben und mein Leben zu nutzen, um gute und einmalige Momente zu sammeln, diese im Idealfall mit anderen zu suchen, oder zu schaffen, oder kurz: eine wirklich gute Zeit auf diesem Planeten zu haben und meine Energie darauf zu verwenden, meinen Kindern eine Umgebung zu hinterlassen, in der sie selbst nach guten Momenten suchen können und sich nicht mit so Dingen wie Klimawandel, Menschen, die anderen Menschen böse Dinge antun wollen, oder kaputten Verwaltungen und maroden Schulen ihrer eigenen Kinder rumschlagen müssen.

Ich glaube, dass es „am Ende“ nicht darum geht, ob man „sich selbst gefunden“ hat, sondern was man für Andere und mit Anderen getan hat. Das Leben ist und wird auch nie „fertig“ und es ist kein chilliger Sommertag unter Palmen. Eine Einsicht, die durchaus entspannt. Viel eher schon ist es (um im Bild zu bleiben) ein ewig unruhiger Tag am Meer mit unbekannten Leuten, die durch die Kulissen und einem manchmal vor die Füße laufen. Aber dafür einer mit tollen Leuten an meiner Seite.

In dem Sinne: rein ins Gewimmel.

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