Ich besorg‘ die Getränke.

Im Grunde gibt es ja seit spätestens Mitte vergangener Woche kein anderes Thema mehr als dieses Virus, das mittlerweile alles auf Eis legt, das einem lieb und teuer geworden ist und scheinbar drehen sich alle Fragen nur noch darum, ob ich etwas „wegen“ Corona, oder „trotz“ Corona mache und ich glaube, das ist ein Fehler.

Ja, dieses Virus nimmt im Moment so ziemlich alles in Beschlag, aber eben auch nur im „Jetzt“.

Gestern Abend ab 19:30 Uhr saß ich mit meinen KollegInnen vom „Landeselternausschuss Schule“ deutlich über 3 Stunden lang in unserer monatlichen Sitzung – diesmal online per Videokonferenz. Wegen Corona. An Themen mangelte es wahrlich nicht…

Hättest Du mich gestern Abend gegen 19 Uhr gefragt, was ich da mache, als ich meinen Rechner mit Mikro und Kamera verkabelt habe, hätte ich Dir geantwortet „Ich bereite die Sitzung vor“, aber das stimmt nicht, wie ich nach den Beratungen bei meinem (diesmal leider einsamen) Sitzungsabschlussbier feststellte. Ich habe nicht die Besprechung vorbereitet, sondern mich darauf vorbereitet, mit meinen KollegInnen die Zeit nach diesem Virus vorzubereiten.

Ja, es wird eine Zeit danach geben. Sicher: niemand wird derzeit seriös sagen können, wann das sein wird, aber es wird eine Zeit „danach“ geben und eines ist auch sicher:

Egal, was dieses Virus noch alles an Negativem mit sich bringen mag: wie wir dieses „Danach“ gestalten, liegt einzig an uns. Sowohl an uns als Gemeinschaft, als auch an jedem Einzelnen von uns. Ich wage die Prognose, dass dieses Virus sich ähnlich prägend ins kollektive Gedächtnis einbrennen wird, wie wenige andere Ereignisse der Vergangenheit. Ob es aber in der Erinnerung eine Zeit der Solidarisierung, oder eine der Entsolidarisierung sein wird, entscheiden wir, nicht dieses Virus. Und wir werden auch entscheiden, wie wir mit den Umständen, die die kommende Zeit schafft, „danach“ umgehen.

Jeder Einzelne entscheidet bewusst oder unbewusst, ob er die vor sich und uns liegende Zeit damit verbringen will, unseriöse Meldungen in die Welt zu setzen, oder zu verbreiten und seine Mitmenschen zu verunsichern, oder gar zu gefährden, oder ob er die Zeit lieber nutzt, um sein Umfeld auf welche Art auch immer zusammenzuhalten. Jeder Einzelne entscheidet, ob er etwas macht, mit dem es ihm und/oder uns „hinterher“ besser gehen kann, oder eben nicht. Jeder einzelne entscheidet, ob er dieses „Danach“ mit etwas Positivem vorbereitet, oder sich lieber an Verschwörungstheorien und Schuldzuweisungen berauscht. Ob er seine Nachbarn unterstützt, oder Klopapier und Nudeln bunkert.

Es liegt an uns. Und für mein Leben und mein Umfeld liegt es an mir. Ich habe mich entschieden, das „Danach“ vorzubereiten. Zu Hause mit meiner Familie, in den Elternvertretungen, mit allen, mit denen ich in verschiedenen Funktionen und Tätigkeiten zusammenarbeite. Und wenn der ganze Mist vorbei ist, nehmen wir uns mal wieder die Zeit, um am See zu sitzen, zu reden und der Sonne beim Aufgehen zuzuschauen. Ich besorg‘ die Getränke.

Bleibt bitte gesund!

Marco

Über MarcoFechner 40 Artikel
Jahrgang 1984, Vater von zwei Kindern, Ehemann, Berlin-Pankower, gelernter Verwaltungsfachangestellter, Mützenträger und glücklicher Inhaber eines Berliner Dialekts. Verbringt viel Zeit in den Elternvertretungen seiner Schule, der des Bezirks Pankow und der Berliner Landeselternvertretung.

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