Das Naheliegende tun.

Der cleverste Propagandatrick der „neuen Rechten“ war es, Demokraten einzureden, diese wären Schuld daran, dass die Rechten rechts seien und das könnte sich ändern, wenn Demokraten darüber mal nachdenken würden.

Seitdem denken wir darüber nach. Und reden uns unser Denken ein, bis wir neurotisch werden. Und denken. Und denken. Und denken…

Und seitdem kommt auch keine Woche ohne ihre „die verschrobenen Linken“-Leitartikel und ohne Talkshows, in denen Nazis allen anderen erklären, wie undemokratisch Demokraten sind aus.

Was tun? Das Naheliegende! Hört auf, euch den Kopf zu zermatern, ihr seid gut, wie ihr seid. Geht in die Parteien, in die Gremien, engagiert euch in eurer Gemeinde, oder eurer Stadt, aber lasst euch nicht auf Facebook von Nazibots genau davon abhalten, während Rechte ihre Wahllisten für Kommunal- Landtags- und Bundestagswahlen aufstellen und demokratische Parteien dringend Nachwuchs suchen…

Die Demokratien werden grad weltweit am Nasenring durch die Manege gezogen, aber das hat auch damit zu tun, dass so wenige bereit sind, sich für diese persönlich und mit Präsenzzeit einzusetzen (Instagram ist kein Ortsverein und auch kein Ehrenamt. Twitter auch nicht) und dass das genau deshalb so leicht ist. Man muss auch nicht gleich Mandatsträger oder Vereinsvorsitzender werden wollen. Unter Anderem die Parteien suchen permanent nach Leuten, die Inhalte zu Debatten beitragen wollen, oder die in der Lage sind, „was mit Medien“ beizusteuern, die Kampagnenideen haben, oder die einfach etwas Zeit haben, um den örtlichen Twitteraccount zu bespielen. Wenn wir nicht wollen, dass diese Zeit der Abgesang der Demokratie wird, müssen wir uns einbringen – egal, ob es 30 Minuten pro Woche, oder mehr sind.

Die Identitätsdebatten der letzten Jahre haben auch mir zwischenzeitlich etwas die Sinne vernebelt, wenn es um die Frage ging, worum es eigentlich gehen müsste. Es geht nicht nur um Identität, sondern vor Allem um das Naheliegende, das dann eben auch vor Ort und direkt spürbar ist.

  • Wenn viele Menschen bezahlbare Wohnungen brauchen, muss man Wohnungen bauen.
  • Wenn viele Menschen nicht an der Gesellschaft teilhaben, weil sie arm sind, muss man Armut bekämpfen und Barrieren abbauen. Dazu kann man sogar im Ehrenamt beitragen.
  • Wenn das Sozialsystem teilweise Hilfebedürftige entwürdigt, muss es so gestaltet werden, dass genau das nicht mehr passiert.
  • Wenn zu viele Menschen nicht wissen, wie sie sich demokratisch beteiligen können, muss man dafür sorgen, dass das a) möglich ist und b) dafür sorgen, dass die Betreffenden rausfinden, wie sie sich beteiligen können.
  • Wenn Menschen arm trotz Erwerbsarbeit sind, muss der Mindestlohn angehoben werden.
  • Wenn das Klima zu kippen droht, muss das Klima geschützt werden.

Und so weiter… Wenn Demokratien in ihrer Umsetzungsfähigkeit stagnieren, beginnt die Zeit der Verteilungskämpfe Und darin sind die politischen Ränder und insbesondere der rechte Rand seit je her besonders gut, weil sie in Ihrer Agitation keine Rücksicht auf menschliche Verluste nehmen. Wenn einen das stört, dass in der Politik zu wenig geliefert wird, muss man seinem Wahlkreisabgeordneten damit auf den Keks gehen. Die freuen sich auch, wenn mal jemand im Wahlkreisbüro vorbeischaut und sie nicht aus der Zeitung entnehmen müssen, was die Presse denkt, was „die Menschen im Land“ so denken. Viele Dinge kann man auch selbst verbessern, indem man sich im eigenen Umfeld engagiert und dazu beiträgt, anderen Leuten das Leben im Rahmen eines Ehrenamts etwas leichter und/oder lebenswerter zu machen.

Es gibt Leute, die ein Interesse haben, Themen möglichst kompliziert darzustellen, um sie zu verschleppen, oder um andere Leute in ihrer Erwartungshaltung auszubremsen. Aus unterschiedlichsten Gründen. Is mir aber egal, denn diese Themen müssen behandelt und gelöst werden.

Was ich jetzt mache? Das jeweils Naheliegende und Konkrete und jeden Tag ein Bisschen davon und vielleicht wird am Ende ja was Größeres draus, oder es geht in etwas Größerem auf. Im Ehrenamt, im persönlichen Umfeld, im Job und und und…

Eine kraftvolle und neue sozialdemokratische Bewegung, die von unten kommt und ihr Agieren nicht als Reaktion auf das begründet, was von rechts kommt, sondern die wieder eigene Themen setzt. Das wär was Großartiges. Dass die gebraucht wird, ist so oft zu lesen. Ich fange mal in meinem Umfeld an. bzw. mache weiter damit. Ihr erreicht mich unter mail@marcofechner.de bzw. hier auf’m Blog.

Marco